Startseite
Aktuelles
Der aktuelle Preisträger
Frühere Preisträger
Der Preis
Friedrich Schiedel
Bad Wurzach/Allgäu
Presse
Kontakt
Impressum

Friedrich Schiedel Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach/Allgäu
   zur Übersicht    Seite drucken
 
Der Preisträger
Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung zeichnet Günter de Bruyn aus

 
Einfach hat es sich GÜNTER DE BRUYN nie gemacht: Die Themen Anpassungsbereitschaft und Zivilcourage ziehen sich durch das Werk des Schriftstellers. Im Mai wird de Bruyn mit dem Preis der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung in Stuttgart ausgezeichnet.
Der Schriftsteller, der im November 1926 in Berlin geboren wurde, gehört zu einem der Jahrgänge, die kriegsbedingt Notabitur machen mussten. Kurz darauf kam de Bruyn zum Einsatz an die Ostfront. Danach wurde er in Potsdam zu einem sogenannten „Neulehrer“ ausgebildet. Die rigide DDR-Schulpolitik machte dem Nicht-Parteimitglied das Leben bald so schwer, dass de Bruyn umsattelte und eine Ausbildung zum Bibliothekar in Ost-Berlin absolvierte.
Den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 beobachtet der kritische Geist als Zaungast. Nicht ohne Grund: Nach seinen Erfahrungen mit politischen Extremen im Dritten Reich war de Bruyn allen möglichen Eiferern gegenüber mißtrauisch. Stattdessen schlug er einen anderen Weg ein und arbeitete ab 1961 als Schriftsteller der DDR. Er verarbeitete Erlebtes in zahlreichen Büchern. So geht es im 1992 erschienen Buch „Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin“ um de Bruyns Kindheit im katholischen Umfeld und seine Erziehung unter nationalsozialistischem Diktat. In seinem Schlüsselwerk „40 Jahre“ gelang es ihm, den Lesern seine Lebenshaltung verständlich zu machen: Die eines bewusst in der DDR gebliebenen Kritikers.
Ein Leben im Strom – jedoch ohne mitzuschwimmen: Immer wieder beteiligte sich de Bruyn an der öffentlichen Diskussion, mischte sich nachhaltig in den politischen Diskurs ein. Er beteiligte sich an den Protesten nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR 1976. Elf Jahre später machte er den Vorschlag, die Zensur abzuschaffen. Und er lehnte die Annahme des Nationalpreises der DDR ab – einen Monat vor dem Fall der Mauer. Der Mauerfall: Ein Glücksmoment für de Bruyn. und andererseits Anlass zur Selbstkritik: De Bruyn meine, der habe zu wenig für die Befreiung Ostdeutschlands getan.
Die Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung zeichnet ihn aus für seine Verdienste um die Festigung und Förderung eines freiheitlichen Gemeinwesens. Mit seiner „Wahrheitsliebe“ und seinem „Erzählstil der eher leisen und schlichten Töne vergegenwärtigt er mit klugem Blick auf den einzelnen Menschen die Gefährdungen durch freiheitsunterdrückende Gesellschaften“, erklärt Barbara Frenz, Geschäftsführerin der Gesellschaft. „Günter de Bruyn hat mit seinem Wirken zugleich auch den Wert der Freiheit hervorgehoben, die für eine offene Gesellschaft prägend ist.“

Jörg Isert