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Friedrich Schiedel
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Friedrich Schiedel Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach/Allgäu
 
 
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Friedrich Schiedel
Der Initiator und Stifter
Senator e. h. Friedrich Schiedel wurde am 13. September 1913 in Baierz, heute Stadt Bad Wurzach, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Hauerz, heute ebenfalls Stadt Bad Wurzach, und dem Gymnasium in Ellwangen studierte er an der Landwirtschaftlichen Hochschule und danach am Polytechnikum in München und wurde Bauingenieur. In den Jahren von 1942 bis 1945 war er zum Kriegsdienst eingezogen.
Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1946, gründete er seine erste Firma, die Einzelfirma Erbacher Bauwaren "mit zwei geliehenen Schaufeln und einer geliehenen Schubkarre", wie er stets gern erzählte.
Bereits im Jahre 1947 spezialisierte er sein Betonwerk in Erbach zu einem Kaminwerk, dessen Herstellungssortiment im Jahre 1951 ausschließlich auf die Fabrikation von doppelwandigen Kaminen reduziert wurde. Die Firma produzierte von nun an unter dem Namen "Schiedel" mit 17 Mitarbeitern auf eigenem Grund und Boden.
1952 wurde die Produktion von Kaminsteinen in München aufgenommen.
In den Jahren von 1961 bis 1966 baute Senator e. h. Schiedel mehrere Produktions- und Vertriebsstätten in den Ballungszentren der Bundesrepublik Deutschland auf und 1966 auch in der Republik Österreich.
Im Jahre 1971 wurde in München ein zentrales Verwaltungsgebäude errichtet. In den Jahren von 1971 bis 1990 baute er den Geschäftsbetrieb immer weiter aus, er war alleiniger Gesellschafter der Friedrich Schiedel Holding GmbH in München und der Friedrich Schiedel Holding Ges.m.b.H in Österreich.
1990 übertrug er die Schiedel-Firmengruppe in der Bundesrepublik Deutschland und 1991 die in der Republik Österreich an die Firma Braas GmbH.
 
Hinter dieser schlichten Darstellung des Aufstiegs aus ländlichem Umfeld zum Unternehmer und Mäzenat verbirgt sich eine äußerst erfolgreiche und herausragende Lebensleistung. Senator e. h. Friedrich Schiedel war als Unternehmer weitsichtig in seinem Denken, hatte stets klare Vorstellungen und Konzepte und war tatkräftig in seinem Handeln. Dabei hatte er immer ein offenes Herz für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen er in seiner "Schiedel-Familie" ein strenger, manchmal auch lautstarker Chef war, jedoch immer voller Fürsorge und nach einem reinigendem Gewitter auch wieder freundschaftlich zugetan. So war das Humankapital seiner "Schiedel-Familie" ein entscheidender Faktor für seine prosperierenden Unternehmensgruppen. Sicherlich waren es die besonderen Umstände in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Städte in den deutschen Landen noch in Schutt und Asche lagen, die einer Persönlichkeit vom Schlage des Senators e. h . Schiedel auch große Chancen eröffneten. Gerade in dieser Zeit waren Persönlichkeiten gefragt, die zupackten, ohne Scheu und ohne lange zu zögern. Als ein gestandener Mann seiner Generation war die Triebfeder seines Handelns damals ganz sicher nicht primär mit dem Willen verbunden, durch eine erfolgreiche mittelständische Unternehmenspolitik auch zum Förderer der Literatur, des Geschichtsbewusstseins und der Wissenschaft zu avancieren, denn seine Anfänge waren in der Tat bescheiden. Was er tat, tat er zuallererst, um als Unternehmer Fuß zu fassen - und auch, um seinen unternehmerischen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands zu leisten.
 
Dies ist die eine Seite der Persönlichkeit des Senators e. h. Friedrich Schiedel. Sie allein aber zu skizzieren, würde der enormen Bandbreite seines Wirkens und Schaffens nicht gerecht.
 
Als Arbeitgeber hatte er stets einen Blick für die sozialen Nöte der Menschen, die ihn umgaben. Ihnen beizustehen, so gut er es konnte, war für ihn einfach selbstverständlich. Als überzeugter Staatsbürger des neuen demokratischen Staates Bundesrepublik Deutschland wollte er aber auch, ohne sich je politisch engagiert zu haben, seinen Beitrag im sozialen und wissenschaftlichen Bereich leisten und als Liebhaber der schönen Künste ebenso Akzente im kulturellen Bereich setzen. Dabei bündelte er sowohl seine Kräfte als auch seine finanziellen Möglichkeiten, gründete mehrere Stiftungen und stattete sie mit ansehnlichen Grundstockvermögen aus:
  • 1982 die Stiftung "Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach" mit Sitz in Bad Wurzach,
  • 1982 die Stiftung für Energietechnik in Wien, die die Forschungs- und Lehrvorhaben sowie die damit verbundenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Dokumentationen auf den Gebieten der Energietechnik und der Kernfusion fördert sowie die Förderung von Forschungs- und Lehrvorhaben von fusionsrelevanten Hochtechnologien und von Alternativenergien,
  • 1986 die "Friedrich Schiedel-Stiftung in München" zu Gunsten junger, alter, notleidender und kranker Menschen, insbesondere für Kinder und werdende Mütter ("soziale Komponente") und zur Förderung der Institute oder Teil-Institute von Universitäten, insbesondere der Technischen Universität München ("wissenschaftliche Komponente"),
  • 1999 die "Stiftung Friedrich-Schiedel-Wissenschaftspreis zur Geschichte Oberschwabens" mit Sitz in Ravensburg; der Preis wird alle zwei Jahre in ungeraden Kalenderjahren verliehen.

Bei einem solch umfassenden Engagement als Unternehmer und Mäzenat blieben Ehrungen und hohe öffentliche Anerkennung nicht aus, wobei diese zu erreichen nicht Antrieb seines breitgefächerten Wirkens war, er sich jedoch ob solcher Auszeichnungen freute und sie stets mit einer gewissen Bescheidenheit, aber auch Dankbarkeit mit Blick auf sein gelungenes Lebenswerk entgegennahm. Er war
  • Ehrenbürger der Stadt Bad Wurzach,
  • Ehrensenator der Technischen Universität München,
  • Inhaber des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,
  • Inhaber des Goldenen Ehrenrings der Gemeinde Nußbach / Oberösterreich,
  • Inhaber des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich,
  • Inhaber des Verdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,
  • Inhaber des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste und die Republik Österreich,
  • Inhaber der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg,
  • Inhaber des Bayrischen Verdienstordens,
  • Inhaber des Silbernen Verdienstkreuzes des Landes Oberösterreich.
"Mein ganzes Leben lang", so formulierte er in seinem Kodizill, "durfte ich ein gewisses Wohlwollen unseres Herrgotts erfahren, und ich war keineswegs gezwungen, ein finsteres Leben zu führen. Das Gegenteil war der Fall."
 
In der Tat: Ihm gelang eine außergewöhnliche Lebensleistung. Er nutzte die Gunst der Umstände nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zusammenwirken verschiedener Charaktereigenschaften wie technischer Sachverstand, kaufmännischer Geschäftssinn, ausgeprägtes Sozialbewusstsein seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Öffentlichkeit gegenüber, stets an Musik und Literatur interessiert, von hohem Geschichtsbewusstsein getragen, der Forschung technischer Wissenschaften zugetan, setzte er immer wieder kreative Kräfte frei, mit denen er generös sein außergewöhnliches Lebenswerk garnierte.
 
Alljährlich nahm er bis in sein hohes Alter als Reiter hoch zu Ross mit eigenem Pferd an der Reiterprozession zur Feier des Heilig-Blutfestes in Bad Wurzach teil. Das Hl.-Blutfest hat er stets als "sein höchstes Fest im Jahreslauf" bezeichnet. Als Hl.-Blutreiter hat er es auch aktiv als ein Fest öffentlichen Glaubensbekenntnisses und heimatlich-religiösen Brauchtums mitgestaltet.
 
Sein Freund und Weggefährte, Professor Dr. Dr. Störig, kleidete sein Leben und sein Lebenswerk kurz und knapp, aber äußerst zutreffend in die Worte: "Bescheiden in den Anfängen, imponierend im Abschluss."

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