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Friedrich Schiedel Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach/Allgäu
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2004
Arno Surminski
für sein Buch "Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen"

Laudator: Prof. Alfred Brückner
Autor der nachstehenden Verleihungsurkunde: Helmuth Morczinietz
 
Arno SurminskiMit sprachlicher Eleganz und wahrheitsgetreuer Darstellung zeichnet Arno Surminski das liebenswerte Abbild seiner ostpreußischen Heimat nach, das er mit ihren Menschen, deren Zusammenleben und Zusammenrücken im Sommer vierundvierzig in seinem Herzen und in der Erinnerung bewahrt hat.
Farbig, scharfsichtig und tiefsinnig zugleich beschreibt er das Leben in den Fischerdörfern jener zu dieser Zeit noch idyllischen und unberührten Dünenlandschaft der Kurischen Nehrung, ohne die Gefährdung durch den immer näher heranrückenden Krieg auszuklammern. Mit seinem schriftstellerischen Anspruch auf Erinnern, Erzählen und Bewahren entspricht sein Buch in besonderer Weise den Bedingungen für die Vergabe des Preises:
Flüssig und verständlich geschrieben, klar im Ausdruck, immer dicht am Leben der Menschen, geleitet der Autor den Leser Schritt für Schritt in diesen Teil ostpreußischer Landschaft. Das Leben der hier tief verwurzelten Menschen geriet ebenso abrupt aus den Fugen, wie die durch die Kriegswirren tragisch beschattete unerfüllte Liebe zweier junger Menschen in den Bombennächten von Königsberg verlosch.
Geradezu bedrückend ist die Beschreibung vom Untergang der siebenhundertjährigen Stadt Königsberg, in der ein nächtelanger Bombenhagel Vulkane und Feuerstürme entfachte, in denen viele Zeugnisse jahrhunderter langer Traditionen sowie ein Zentrum geistigen Lebens in Deutschland und dessen nach Osten offene Kultur verglühten und so der Stadt "ihr Gesicht und ihre Menschen" raubten. Im Bilde von der ablaufenden Sanduhr spiegelt sich zudem die Befürchtung, dass alle Uhren für ein multiethnisches Leben mit seinem farbigen Reichtum auf der Kurischen Nehrung wohl für immer angehalten wurden. Damit weckt der Autor sowohl das Interesse einer breiten Leserschaft, bei der er hohe Anerkennung sowie breite und lebhafte Zustimmung gefunden hat, als auch den Wunsch, diese Landschaft aus eigener Anschauung und Erleben entdecken zu können, um auf den wenigen Spuren der bunten Vergangenheit noch einen Rest des nördlichen Teils Ostpreußens zu erkunden.
Wenn sich auch diese ostpreußische Landschaft mit der durch die kriegsbedingte Aufteilung zu Russland, Polen und Litauen mit ihren Menschen, Städten und Dörfern, aber auch mit ihrer Sprache und Kultur verändert hat, gilt es dennoch, dies als eine wenn auch bittere Folge der Zweiten Weltkrieges anzuerkennen. Ostpreußen jedoch als ein verwundetes Land ohne Rachegedanken in der Erinnerung zu bewahren, ist Surminskis bleibendes Verdienst.
Der Jury ist es überdies ein besonderes Anliegen, in die Preisverleihung auch dessen Buch "Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland" einzubeziehen, um damit zu unterstreichen, dass jegliche Vertreibung von Menschen, gleich welcher Nation, Rasse oder Glaubensüberzeugung als Verbrechen zu verurteilen ist.
Inzwischen sind Polen und Litauen Mitgliedstaaten in der Europäischen Union. Die Stadt Bad Wurzach bekundet daher mit dieser Preisverleihung zudem die Hoffnung, dass in unserer Zeit europäischen Zusammenwachsens die durch Krieg und Vertreibung geläuterte Erfahrung der Völkerverständigung und dem Frieden dient.
 
Arno Surminski - Sommer vierundvierzig
 
Biographie
 
Herkunft
Arno Hermann Surminski wurde am 20. August 1934 in Jaglack/Ostpreußen geboren. Nach der Deportation seiner Eltern wuchs er in einer Familie aus seiner Heimat in Trittau/Schleswig-Holstein auf.
 
Ausbildung
Nach der Volksschule absolvierte Surminski 1950-1953 eine Lehre in einem Anwaltsbüro.
 
Wirken
Im Anschluss an die Lehre war Surminski als Anwaltsgehilfe tätig. 1955-1957 lebte er in Kanada und arbeitete dort in verschiedenen Berufen. Nach Trittau zurückgekehrt nahm Surminski seinen erlernten Beruf wieder auf. 1962-1972 war er als Angestellter bei einer Hamburger Versicherungsgesellschaft beschäftigt. Seit 1972 ist er neben der schriftstellerischen Arbeit als freier Wirtschafts- und Versicherungsfachjournalist tätig. Am 24. August 2001 berichtete die FAZ, dass der Verband der privaten Krankenversicherungen den Schriftsteller und Versicherungsexperten Arno Surminski als Streitschlichter (Ombudsmann) gewinnen konnte.
 
Der Schriftsteller Surminski
Er wurde vor allem durch seine in der ostpreußischen Heimat spielenden, teilweise für den Film umgesetzten Romane bekannt. Neben Ostpreußen machte er das Schicksal der Vertriebenen aus den ehemals deutschen Gebieten und deren Versuche, sich im Nachkriegsdeutschland eine neue Existenz aufzubauen, zu seinem Thema. Viele seiner Romane, in denen die Fachkritik einen "beeindruckenden Chronisten" erkannte, tragen autobiographische Züge und schöpfen in der Schilderung von Personen und Gegebenheiten aus Erinnerung und Erzählungen.
 
Werke

Veröffentlichungen u.a.: "Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?" (74; Roman; 87 mit Armin Müller-Stahl in der Hauptrolle als Dreiteiler für das Fernsehen verfilmt), "Aus dem Nest gefallen" (76; Erz.), "Kudenow oder An fremden Wassern weinen" (78; Roman; 81 für das Fernsehen verfilmt), "Fremdes land oder Als die Freiheit noch zu haben war" (80; Roman; für das Fernsehen verfilmt), "Wie Königsberg im Winter" (81; Erz.), "Damals in Poggenwalde" (83; Kinderbuch), "Polninken oder Eine deutsche Liebe" (84; Roman), "Gewitter im Januar" (86; Erz.), "Am dunklen Ende des Regenbogens" (88; Roman), "Malojawind. Eine Liebesgeschichte" (88; Roman), "Grunowen oder Das vergangene Leben" (89; Roman), "Die Reise nach Nikolaiken und andere Erzählungen" (91), "Kein schöner Land" (93; Roman), "Besuch aus Stralsund" (95; Erz.), "Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen" (97; Roman), "Die Kinder von Moorhusen" (01; Roman), "Der Winter in der Tiefe" (02). Vaterland ohne Väter (04), Gruschelke und Engelmannke - Geschichten auf Ostpreußisch und Hochdeutsch (06), Die Vogelwelt von Auschwitz (08), Amanda oder Ein amerikanischer Frühling (09), Die masurische Eisenbahnreise und andere heitere Geschichten (10, Erzählungen), Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken (10), Tod eines Richters. Roman über ein ungewolltes Kind (12), Im Garten des Schönen. Heitere und besinnliche Geschichten aus dem Norden (13), Jokehnen oder Die Stimmen der Anderen (13)


Auszeichnungen
Andreas-Gryphius-Preis (1978), Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen (1982), Hamburger Bürgerpreis (1993), Kulturpreis Deutscher Freimaurer (2001), Friedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach/Allgäu (2004), Biermann-Ratjen-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg (2004), Hannelore-Greve-Literaturpreis (2008), Andreas-Gryphius-Preis (2009), Elbschwanenorden (2015)
 
 
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