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Friedrich Schiedel Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach/Allgäu
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1998
Brigitte Hamann
für ihr Buch "Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators"


Laudator: Prof. Dr. Dr. Gerald Schöpfer
Autor der nachstehenden Verleihungsurkunde: Helmuth Morczinietz

Das Buch entspricht in hervorragender Weise den in der Satzung festgelegten Bedingungen der Preisvergabe. Es erschließt dem Leser auf der Grundlage des tatsächlichen Geschehens einen bedeutenden Abschnitt der Kultur- und Sozialgeschichte Wiens, die den jungen Hitler in den Jahren von 1907-1913 prägte. Historisch fundiert, verständlich geschrieben und glänzend erzählt, hat das Buch hohe Aufmerksamkeit und große Zustimmung gefunden.

Die Stadt Bad Wurzach ehrt eine Autorin, die mit ihrem Buch jenen komplexen Abschnitt der Geschichte Wiens in das Blickfeld des interessierten Leserkreises rückt, aus dessen vielschichtigen Segmenten sich ein unbekannter junger Mann unter dem Einfluss von hasserfüllten und obskuren Welterklärern und Rassentheoretikern seine Weltanschauung zusammenbastelte. Seine Vorstellungen vom "deutschen Herrenvolk", den "slawischen Untervölkern", der "Reinheit der arischen Rasse", seinen Traum von einer "deutschen Weltherrschaft" und seine menschenverachtende Gegnerschaft gegen Juden - obwohl er in seiner Wiener Zeit auch jüdische Freunde und Förderer hatte - und gegen alles, was seinem Weltbild widersprach, forderte er als zu kurz gekommener Männerheimbewohner aus seinen zeitungssüchtig zusammengelesenen Erkenntnissen und aus persönlichen Erfahrungen in jener Zeit.

Die so gewonnenen Überzeugungen hat er in seinem Buch "Mein Kampf" programmatisch niedergelegt und ab 1933 als Diktator mit dem absoluten Anspruch eines alleinigen, unbesiegbaren und von der Vorsehung auserwählten Führers konsequent in nationalsozialistische Wahn- und Machtpolitik umgesetzt, eine Politik, die Deutschland in 12 Jahren in Schutt und Asche legte und dessen Landkarte und die großer Teile Europas drastisch veränderte.

Heute, in einer Zeit großer politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen in Deutschland und Europa, verbunden mit Unsicherheiten auf der einen und erheblichen sozialen Verspannungen auf der anderen Seite, erscheint es äußerst hilfreich, sich bewusst zu werden, auf welch verworrene Wege vor allem junge Menschen geraten können, wenn sie in ihrer Bedrängnis auf links- oder rechtsextreme Parteiführer treffen, die daraus politisches Kapital schlagen, ohne überzeugende Alternativen oder gangbare Wege in die Zukunft anbieten zu können.

Sowohl dies in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken als auch Wachsamkeit und entschlossenes Handeln aller demokratischen Kräfte einzufordern, damit Deutschland und Europa nicht erneut an einen Abgrund geraten, ist ein Anliegen des Buches und ein bleibender Verdienst der Autorin zugleich.

Kurzbiographie
Brigitte Hamann, Dr. phil,, geb.in Essen, studierte Geschichte und Germanistik in Münster und Wien. Als Historikerin lebt sie in Wien. Sie hat zahlreiche Bücher, vor allem zur österreichischen Geschichte, veröffentlicht. Besonders erfolgreich waren "Rudolf. Kronprinz und Rebell", "Elisabeth. Kaiserin wider Willen" und "Bertha von Suttner". Ihre Bücher "Hitlers Wien" und zuletzt "Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth" (2002) wurden zu Bestsellern und von Presse und Fachwelt viel beachtet. In den Folgejahren veröffentlichte sie weitere Werke wie „Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten“ (2004), „Die Familie Wagner“ (2005), „Mozart. Sein Leben und seine Zeit“ (2006), „Hitlers Edeljude. Das Leben des Armenarztes Eduard Bloch“ (2008) oder „Österreich. Ein historisches Portrait“ (2009).
Brigitte Hamann ist im Oktober 2016 im Alter von 76 Jahren in Wien verstorben.


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